Kommt ein Team aus dem Lockdown zurück … und dann?

Jul 2020

Drei Tipps für die DIY-Teamentwicklung 

„Ich komme aus dem Homeoffice zurück ins Büro – und alles läuft weiter wie immer. Als wäre nix gewesen. Das darf doch nicht wahr sein!“ – Anja war richtig gefrustet!

Über das Gespräch mit Anja habe ich nochmal nachgedacht und ein paar Tipps zusammengestellt:

Also: Wie gelingt es einem Team, nach der Zeit der Distanz zur alten Stärke zurück zu finden? Hier ein paar kleine aber effektive Tipps für Teams und ihre Teamleiter und Führungskräfte:

Tipp 1: Rückschau wagen

Im Homeoffice hat vieles „gehakt“, weil die informelle Zusammenarbeit fehlte: Infos zwischen Tür und Angel. Der versteckte Hinweis über Zeitverzögerungen im Projekt. Das verschwörerische Grinsen beim Umgehen einer als unnütz angesehenen Regel. Weil diese Informalität fehlte, haben sich alle streng an die Vorgaben gehalten. Und das zeigt immer die Schwächen im System auf.

Wagen Sie eine gemeinsame Bestandsaufnahme: Was hat gut geklappt? Was weniger gut? Und was lief gar nicht? Aus den Beiträgen zieht das Team dann zwei bis drei wichtige und lohnenswerte Aspekte raus und arbeitet daran, dass diese anders und besser laufen. Hinweis: Nehmen Sie sich lieber wenige Maßnahmen vor, die dann erfolgreich sind, als dass Sie sich überfordern und Frust entsteht.

Nicht vergessen: Richten Sie die Wahrnehmung des Teams auch bewusst auf das, was unter den gegebenen Umständen gut geklappt hat. Das Reflektieren der Erfolge schweißt ungemein zusammen!

Tipp 2: Orientierung geben

Viele Mitarbeiter haben Fragen: „Konnte ich aus dem Homeoffice vernünftige Ergebnisse liefern?“, „Wie geht es weiter, wenn es dem Kunden XY schlecht geht?“ und „Wie sicher ist eigentlich mein Arbeitsplatz?“. Wer sich Gedanken und Sorgen macht, kann weder fokussiert noch effektiv und schon gar nicht kreativ arbeiten.

Stellen Sie bewusst Orientierung und Transparenz her: Was wissen wir? Was wissen wir noch nicht? Und was muss erstmal als unsicher ausgehalten werden? Diese Offenheit steigert die Integrität der Führung und das Vertrauen. Und dies wiederum steigert die gefühlte Sicherheit im Team – auch wenn die Lage auf der Sachebene unübersichtlich bleibt.

Machen Sie sich bewusst, dass wir uns gerade in einem kollektiven Change-Prozess befinden. Change Prozesse verlangen eine explizite Change-Kommunikation, damit Veränderungen gelingen und es möglichst wenig crasht.

Tipp 3: Zuhören

Manche Kollegen haben wahrscheinlich krasse Erfahrungen gemacht: Kleine Kinder permanent daheim, Angst um die eigenen Eltern, vielleicht eine eigene Vorerkrankung. Wenn diesen prägenden Erfahrungen kein Raum gegeben wird, führt das dazu, dass Menschen sich nicht wahrgenommen fühlen und sich verschließen.

Fragen Sie persönlich nach, zeigen Sie Interesse und bieten Sie Möglichkeiten für Austausch. Beim einen Team ist das ein gemeinsamer Wiedersehens-Grillabend oder eine Wanderung. Beim anderen ist es vielleicht das Freitagnachmittag-Feierabendbier.

Das darf natürlich nicht ins Jammern abgleiten – aber zwischen Totschweigen und Lamentieren liegen noch viele Zwischenstufen.

In den Gesprächen werden ungute Erfahrungen schneller verarbeitet und die Distanz aus dem Homeoffice wird kleiner.

Anja hat mir hinterher erzählt, dass sie den Chef dazu gebracht hat, Eis für alle zu besorgen und sich gemeinsam in den Garten zu setzen. Außerdem hat sie angeregt, dass die künftigen Regelungen zum Homeoffice kurzfristig geklärt werden. Nicht schlecht!

Letzter Tipp: Einfach mal machen!  J